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Dankesbrief 2021

Liebe Freunde des Sterns der Hoffnung,

in Benin wird die häusliche Krankenpflege, die vom Stern der Hoffnung getragen wird, Jahr für Jahr solider, wirksamer und eigenständiger.

Es sind Mitarbeitende aus Kulturen, die uns fremd und archaisch erscheinen, die sich in verarmten Gebieten für erkrankte und sterbende Kinder, Mütter und Marginalisierte einsetzen. Die Begegnungen verdanken wir stets dem Zufall.

In Benin war es ein junger und aufmerksamer Chauffeur, der uns auf Umwegen, Abwegen und durch die Dschungelpfade der Arbeit hindurch begleitete. Er kam wie aus dem Nichts und ist heute Leiter von «NUKUNDIDO» in der Millionenstadt am Meer, in Cotonou. Isaac ist sein Name. «Nukundido» heißt Hoffnung.

Kaum geboren, hatte seine Familie – wie es die Tradition verlangt – das Baby in die Gewässer der Lagune geworfen. In der Tiefe wartete Mami-Wata, die mütterliche Meeresgöttin, auf das kleine Menschenkind. Nach der mythischen Überlieferung muss man wissen, ob Mami-Wata bereit ist, das Neugeborene der Welt zurückzugeben – oder ob sie es verschlingen wird. Isaac kam an die Oberfläche zurück und die Seinen sollen ihn mit Freude in die Arme genommen haben.

Es war die Mutter, die um den Kleinen besorgt war – der Vater blieb fern. Die Ressourcen im Dorf waren bescheiden und Isaac wuchs wie die meisten anderen Kinder mit einem leeren Magen heran. Immerhin konnte er vier Jahre lang die Schule besuchen. Nur mit Mühe kann Isaac heute erzählen, wie er von den Eltern, noch als kleiner Junge, nach Nigeria abgeschoben wurde, um selber für seinen Lebensunterhalt zu sorgen. Er musste in Steinbrüchen arbeiten. Nach Jahren der Demütigung gelang ihm die Flucht. Eine ältere Schwester, bei der er Zuflucht fand, brachte ihn dazu, den Führerschein zu machen. Er steckte seine gesamten Ersparnisse in ein altes Auto aus Frankreich und begann als Taxifahrer zu arbeiten. In einem kleinen Hotel erhielten wir seine Adresse. Das war der Glücksfall.

Isaac kennt alle – alle kennen Isaac. Er weiß, wo wer zu finden ist und wie man unlösbare Probleme angeht. Er wurde bei der Gründung der häuslichen Krankenpflege in Cotonou zum Koordinator der Arbeitsgruppe gewählt. Jetzt führt er uns durch die abgründig verschlungenen Pfade zu den verlorenen Kindern und zu den ausgegrenzten HIV-positiven Menschen. Er weiß, wie sich die verschlossenen Bürokratien für die Arbeit der häuslichen Krankenpflege öffnen können.

In Brasilien bin ich Marco, der heute die Säule der Hospizarbeit in São Paulo ist, auch durch Zufall begegnet. Der damals Neunzehnjährige half mir, mich in Favelas zurechtzufinden und erste Medikamente und Nahrungsmittel zu beschaffen. Marco trug alle Illusionen und Desillusionierungen der schwarzen Bevölkerung in der Millionenstadt in sich. Seine Urgroßmutter war noch Sklavin. Sie wurde 1888 ohne ein Dach über dem Kopf, ohne Arbeit und ohne Geld «befreit», d. h. mittellos auf die Straße gestellt. Marcos Kindheit in den von Unterdrückung geprägten Verhältnissen blieb eingeengt – doch er war jung, neugierig und unternehmungslustig. Er begleitete mich täglich bei meinen Aufgaben, um die Not zu lindern, die durch AIDS über die ganze Stadt hereingebrochen war. Bald wurde er in der Pflege selbstständiger und bildete sich an der Krankenpflegeschule weiter.

Mit Hilfe des Sterns der Hoffnung hat Marco das erste Hospiz für Schwerkranke aufgebaut, die von der Straße kommen. Seine «casa Esperança» ist ein Haus der Hoffnung, weil dort nicht nur die Pflege von höchster Qualität ist, sondern die Kranken voll und ganz ernst genommen werden. Die Tage sind erfüllt von Theater, Musik, Tanz, Gebet und Geburtstagsfeiern.

Mit den Sklaven war auch Mami-Vata von Afrika nach Brasilien gekommen. Sie trägt hier den Namen Yemanja und sieht der Jungfrau Maria ähnlich. So dürfen die Patienten manchmal zum Strand, damit sie Yemanja ihre Blumen schenken können.

Ja, die Mutter aus dem Urgrund des Lebens hält auch Benin und Brasilien zusammen – seit 33 Jahren, dank Ihrer starken Solidarität.

Alle Gepflegten, alle Pflegenden und wir selber danken Ihnen am Anfang eines Jahres von Herzen, das weltweit eine große Achtsamkeit auf alle viralen Erkrankungen erforderlich macht.

Mit guten Wünschen für Ihre Gesundheit

Lisette Eicher

Stern der Hoffnung
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