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Weihnachtsbrief 2017

Liebe Freundinnen, liebe Freunde des Stern der Hoffnung,

die Märkte Afrikas sind Feste aus Farben, aus Gerüchen, aus Tam-Tam und aus unendlichem Palaver.

Wir ziehen durch die engen Wege voller Auslagen von getrocknetem Fisch, von leuchtend scharfen Gewürzen, von Mangas und Tomaten. Unübersehbare Meterwaren von Shweshwe- und Waxstoffen liegen in tausend Farben und Formen aus. Einige Schritte weiter biegen wir zu einem sandigen Vorhof ab. Wir suchen Sabine.

Eine ganze Gruppe beleibter Frauen in ihren leuchtenden Tüchern liegt im Schatten eines ausladenden Mangobaums. Wenn sie keine Erdnüsse zu sich nehmen, dösen sie in der Hitze vor sich hin. Sabine kommt aus ihrem Versteck. Sie hat kein Anrecht auf Erdnüsse oder auf die Mangas oder eine Banane. Sie darf nicht wie andere Kinder auf einer Matratze liegen. Alle wissen, dass ihre Mama an Aids verstarb und ihr als Erbe den Virus hinterließ. Der Virus macht sie zum Tabu.

Nun steht sie da, ein kleines Wesen zwischen Kind und Frau. Sie trägt keinen bunten Stoff. Ihr Umhang ist staubgefärbt wie die Erde. Sie kommt uns entgegen,
indem sie einen weiten Bogen um alle anderen macht. Ihr abwesender Vater hat sie seinen Schwestern über­geben, obwohl diese das Kind nicht anrühren wollen. Ein Kind mit HIV bringe Unglück ins Haus – es solle in der Finsternis leben, in der es geboren sei.

Was können wir tun?

Ghislaine, eine unserer Krankenschwestern, und Sté­pha­ne, unser Sozialarbeiter von der häuslichen Kranken­pflege, haben die Lösung gefunden. Sabine kann – aus­nahms­weise – in die große Schule und ins Internat für gehörlose Kinder ziehen. Dank der großzügigen Hilfe der »Sternstunden« des Bayerischen Rundfunks und von »Brot und Bücher« aus Bamberg konnte der Stern der Hoffnung in diesem Jahr mithelfen, diese Schule für 40 Kin­der zu bauen. Die ganze Stadt Bohicon und die auf dem gleichen Gelände liegende Sekundarschule sind stolz auf das Bauwerk. Nun leiht Sabine ihren Mund und ihre Ohren den gehörlosen Kindern und lernt von ihnen das Gebärden.

Auch in Brasilien nimmt man die Sterne erst in der Nacht wahr. Lucie, die in São Paulo im neuen Hospiz von Marco Zuflucht gefunden hat, hat mir bei der ersten Begegnung ihr Leben erzählt. Die schwarzen Pupillen ihrer schönen Augen weiteten sich als sie erzählte, wie das große Erdbeben ihrer Familie alles zerstörte, was sie mühsam zusammengebaut hatten. Nach drei Jahren des vergeblichen Wartens auf staatliche Hilfe unternahm sie die weite Reise durch das Amazonasgebiet nach São Paulo. Nun konnte sie von dem bisschen Geld, das sie als Reinigungskraft in einem Hotel verdiente, regelmäßig etwas nach Hause schicken – bis zum Tag, der sie niederwarf: erst die Toxoplasmose, dann die Lähmung, dann das Krankenhaus, dann der positive Aids-Test. Im Hospiz von Marco hat sie in ihrem Rollstuhl den haitianischen Rhythmus wiedergefunden – und das unsagbare Lachen in ihrem schönen Gesicht.

In diesem Jahr haben sich die Werke des Stern der Hoffnung, in denen die Aids-Not gemindert und schwer Erkrankte in Brasilien und Afrika aus der Armut
herausgerissen werden, gut stabilisiert. Die Werke haben sich auch vermehrt: In drei Städten in Benin wird die häusliche Krankenpflege, die in Westafrika zuvor unbekannt war, ausgebaut. Und vier Schulen sind nun für gehörlose und blinde Kinder aufgebaut oder renoviert. Und in Brasilien ist es das große neue Hospiz von Marco, das alle mit Freude erfüllt.

Das ist das große Netz, das von Euch allen geknüpft wird. Tausend Dank!

Und frohe Weihnacht für Sie und all Ihre Lieben!

Lisette Eicher

Stern der Hoffnung
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